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19.02.2013

IFA Rotorion baut Produktion in China auf

  • Autozulieferer aus Haldensleben gehört zu den weltweit größten Herstellern von Längswellen

Volksstimme vom 19. Februar 2013 - Torsten Scheer

Der Automobilzulieferer IFA Rotorion baut eine Produktion in China auf. Nach dem Stammwerk in Haldensleben und einer Fabrik in Charleston (USA) schafft sich das Unternehmen im Großraum Shanghai ein drittes Fertigungsstandbein.

Haldensleben l Beim Autozulieferer IFA Rotorion in Haldensleben werden neue ehrgeizige Pläne geschmiedet. Hat das Unternehmen mit der Übernahme des Wellenspezialisten Rotorion aus Friedrichshafen und der kompletten Produktionsverlagerung nach Haldensleben gerade eine der wichtigsten Etappen in der Firmenentwicklung abgeschlossen, ist bereits ein weiteres großes Projekt in den Fokus der Unternehmensleitung gerückt.

"Wir werden eine eigene Fertigung in China aufbauen", kündigte IFA-Gesellschafter Heinrich von Nathusius im Volksstimme-Gespräch an. Damit reagiere man auf die Anforderungen der global agierenden Automobilbauer von Volkswagen über Daimler bis zu BMW, die von ihren Lieferanten eine ebenso breite geografische Aufstellung erwarten würden.

"Wir sind in der Pflicht, baugleiche Fahrzeugteile nah am Kunden und zugleich in den großen Absatzmärkten Europa, USA und China zu fertigen und auszuliefern", unterstrich von Nathusius die Notwendigkeit, auch im Reich der Mitte aktiv zu werden. "Das ist für uns ein Muss."

"Konkret werden wir im Herbst 2014 im Großraum Shanghai mit der Produktion von Längswellen für die chinesischen Werke unserer Kunden beginnen", sagte von Nathusius. Für die Anmietung von Hallen und die technische Ausrüstung veranschlagt IFA Rotorion eine Investitionssumme von bis zu 20 Millionen Euro. In dem neuen Werk sollen zunächst 100 Mitarbeiter beschäftigt werden.

IFA Rotorion zählt mit jährlich rund 4,5 Millionen ausgelieferten Längswellen und einem globalen Marktanteil von etwa 30 Prozent zu den weltweit größten Herstellern der Spezialwellen. Längswellen verbinden die Motor-Getriebe-Einheit in einem Fahrzeug mit den Achsen.

Die technische Herausforderung besteht in einer möglichst stabilen und schwingungsfreien Verknüpfung. In Europa habe man die Marktführerschaft inne, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Michaelis. Durch den Zukauf von Rotorion ist IFA Rotorion der weltweit einzige Hersteller von Längswellen für die Pkw- und sogenannten Light-Truck-Modelle des Daimler-Konzerns wie den Sprinter.

Die Verlagerung der Rotorion-Produktion von Friedrichshafen am Bodensee nach Haldensleben, die unter anderem den Transport von beispielsweise 260 Großmaschinen in teils Einfamilienhaus-Größe einschloss, bezeichnete von Nathusius als "die größte industrielle Werksverlagerung in der deutschen Nachkriegsgeschichte".

In den USA strebe man die Marktführerschaft mit dem Werk in Charleston im Bundesstaat South Carolina (300 Beschäftigte) in den kommenden drei, vier Jahren an, machte von Nathusius deutlich.

Den anhaltenden geschäftlichen Erfolg führt die Unternehmensleitung in erster Linie auf die von IFA Rotorion erlangte Technologieführerschaft bei der Fertigung von Längswellen unter Verwendung sämtlicher technisch möglicher Gelenkverbindungen von der Kreuzverbindung über Kugelgleichlaufgelenke zurück.

"Hier haben wir uns eine überzeugende Wettbewerbsposition gesichert und schauen auch mit großer Zuversicht und vollem Elan in die Zukunft", betonten von Nathusius und Michaelis. So läuft IFA Rotorion unter Federführung des Stammwerkes in Haldensleben mit insgesamt 1 300 Mitarbeitern sowie 100 Lehrlingen auf einen Jahresumsatz von perspektivisch einer halben Milliarde Euro zu.

Im vergangenen Geschäftsjahr standen 420 Millionen Euro (2011: 350 Mio. Euro) in den Büchern. "Wir können bereits bis zum Jahr 2017 rund 80 Prozent unserer Aufträge überblicken", sagte Michaelis. "Das ist ein guter Wert." Vor allem in den USA, in China und Südamerika steige die Nachfrage nach Premium-Fahrzeugen insbesondere im allradgetriebenen SUV-Segment stetig. Davon profitiere IFA Rotorion in besonderer Weise.

Der gebürtige Österreicher, der über viele Jahre unter anderem als Generalbevollmächtigter im Mannesmann-Konzern tätig war und in den letzten zehn Jahren als Vorstandsvorsitzender die österreichische Industrie Holding AG geleitet hat, war im vergangenen Monat an die Spitze der Geschäftsführung gerückt. Dies steht auch im Zusammenhang dem geplanten Generationswechsel im Hause IFA Rotorion. So wird im nächsten Jahr Felix von Nathusius die Nachfolge seines Vaters als geschäftsführender Gesellschafter antreten. Michaelis soll diesen Übergangsprozess maßgeblich steuern.

Trotz des zunehmenden Engagements im Ausland betonen von Nathusius und Michaelis die herausgehobene Stellung des Werkes in Haldensleben. Dort sollen im kommenden Jahr 25 Millionen Euro investiert werden, unter anderem in eine weitere neue Halle für die Fertigung von Gelenken für Längswellen.

Die IFA-Firmengruppe - der Name steht für die in der ehemaligen DDR verwendeten Bezeichnung Industrieverband Fahrzeugbau - hat ihre Wurzeln im Jahr 1992, als die Familie Nathusius von der Treuhandanstalt das IFA-Werk in Haldensleben kaufte. Zu DDR-Zeiten wurden dort Teile für die Lkw W 50 und L 60 hergestellt.

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Heinrich von Nathusius

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Dr. Peter Michaelis